Schützenkompanie Peter Kemenater Schabs
       

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Hauptmann Roland Seppi
Raut 95
39040 Schabs in Tirol
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K. u. K. STURMTRUPPENÜBUNSPLATZ SCHABS


„K.u.k. ÖSTERRECHISCH-UNGARISCHER STURMTRUPPENÜBUNGSPLATZ SCHABS IN TIROL“
ca. 1900 - Oktober 1918

Grundsätzlich sind und waren wir Tiroler immer gegen Kriege. Nur wenn unser Tiroler Land von Außen bedroht wurde, musste es mit allen Kräften verteidigt werden. Dazu waren die Tiroler Landstände spätestens seit dem Landlibell von 1511 verpflichtet. Im Gegenzug dafür, mussten sie außerhalb Tirols keinen Kriegsdienst leisten. Dies sei vorausgeschickt , um darzulegen, dass es hier nicht um Kriegsverherrlichung, sondern lediglich um die Erinnerung an das hier Geschehene geht.




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Als um 1900 die österreich-ungarische Armeeführung erkannte, dass so manches in der Armee im Argen lag, wurde versucht, eine rasche Modernisierung herbei zu führen. So geschah es auch in Tirol, wo junge und weit blickende Offiziere erkannten, dass es zum Kampf im Gebirge und vor allem für die Verteidigung des „Landes im Gebirge“ anderer Mittel und Strategien bedurfte.

Überall in Tirol entstanden in der Nähe der verschiedenen Landesschützenkasernen oder Garnisonen kleine Übungsplätze, wie z. B. in der Nähe von Innichen und Niederdorf, in der Nähe von Bruneck und in der Nähe von Brixen, im Wald und Weidegebiet östlich von Schabs.




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All diese Bestrebungen wurden bis zum Kriegsausbruch im August 1914 intensiviert.
Der Übungsplatz bei Schabs wurde dann zuerst von Offizieren des der Tiroler Front zu Hilfe geeilten Bayrischen Alpenkorps inspiziert und für interessant gefunden.

Als sich die Lage an der Dolomitenfront durch das Eintreffen der von der Ostfront abgezogenen k.u.k. Einheiten stabilisiert hatte, wurden auf Vorschlag und Betreiben der Führung des Bayrischen Alpenkorps die Standschützen- und Landsturmeinheiten teilweise von der Front abgezogen, neu organisiert und einer grundsätzlichen militärischen Ausbildung zugeführt. Diese Ausbildung fand für die Truppen der östlichen Dolomitenfront fast ausschließlich im Raum von Schabs statt.




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Die Landstürmer und Standschützen wurden während der Übungen in Schabs hauptsächlich in den Dörfern entlang der Pustertaler Straße bis Obervintl und in Rodeneck einquartiert. Jeden Tag marschierten die Soldaten bis zum Übungsgelände.

Die Übungen bestanden zuerst im Ausheben, Ausbauen und Anlegen von Schützengräben, ganzen Stellungssystemen und geschützten Unterkünften. Das Übungsgelände bewährte sich bald so gut, dass auch andere – alt gediente und erfahrene Einheiten – hier aus- und weitergebildet wurden.

Josef Ellecosta, Standschütze im Standschützenbataillon Enneberg beschreibt so die kurze Ausbildung in Schabs:

09.09.1915
Heute bis Obervintl. Morgen geht’s ab nach Schaps.

10.09.1915
Den ganzen Tag Stellung gebaut. Holz zur Verpolzung getragen. Am Abend wieder ab nach Obervintl.

13.09.1915
Den ganzen Tag Sturmübung mit Handgranaten und voller Montur (Uniform und Ausrüstung)

15.09.1915
Die uns am heutigen Sonntag zustehende Freizeit nutzten wir um ein kleines Fest zu feiern. Allerdings mussten wir dazu nach Raas marschieren, denn den Wein aus Schabs
konnte man beim besten Willen nicht genießen, er war einfach zu sauer...


Der Kampfübungsplatz wird zum Sturmtruppenübungsplatz

Ab dem Frühjahr 1917 fanden in Schabs die so genannten „Sturmlehrgänge“ statt. Bei diesen Sturmlehrgängen wurden besondere Sturmeinheiten im schnellen Erobern von feindlichen Stellungen geschult. Dazu wurde im besagten Gebiet ein ausgeklügeltes Stellungssystem mit dazu gehörenden Stacheldrahtverhau im Vorfeld nachgebaut. Die auszubildenden Einheiten lernten dabei einmal das Bauen, das Verteidigen aber besonders das Erobern der Stellungen.
Da im Grabenkampf hauptsächlich Handgranaten, und Sprengmittel im Allgemeinen verwendet wurden, rückten neben der normalen Grabeninfanterie die Waffengattung der Sappeure in den Vordergrund. Neue Kampfmittel wie Grabendolche, Sprengröhren, Handgranaten-, Mienen- und Flammenwerfer, wurden erprobt. Gerade der Messerkampf verlangte vom Soldaten ein gewisses Maß von Kaltblütigkeit, da er ja von Mann zu Mann ausgetragen wurde, und musste geübt werden.




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In den Erinnerungen des Kaiserschützen Berger Wilhelm aus Bruneck kann man dazu lesen:

„ …. im August wurden wir von der Front in den Sextner Bergen abgezogen. In Bruneck wurden wir neu ausgerüstet und bald zogen wir nach Rodeneck. Dort hieß es zuerst warten. Dann nach mehreren Tagen Müßiggang kamen wir nach Schaps wo wir zu einer Sturmkompanie zusammengestellt wurden, und mehrmals täglich eine Stellung auf einen kleinen Hügel angreifen mussten. Da wir teilweise mit scharfer Munition und vor allem mit scharfen Handgranaten üben mussten, gab es dabei nicht wenige Verletzte und auch Tote.
Wie in Bruneck beim Handgranatenkurs. Dort starben 4 Soldaten …..“

Im August 1917 – vor der großen, gemeinsamen Offensive der österreich-ungarischen und deutschen Truppen bei Flitsch Tolmein am Isonzo wurden im Gebiet der Dolomitenfront, so z. B. auch Monte Piano Aktionen und Angriffe durchgeführt, um die italienische Heeresleitung von den eigentlichen Angriffsplänen abzulenken. Dazu wurden alle beteiligten österreich-ungarischen Einheiten in Brixen zusammengezogen und in Schabs einer intensiven Ausbildung unterzogen.




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Der Übungsplatz wurde immer wichtiger, besonders für die „frischen“ Truppen, die aus der Monarchie an die westliche Südfront gelangten, wo sie einen ersten „leichten“ Geschmack vom Kampf und Krieg erhielten. Der wahrscheinlich letzte „Sturmkurs“ fand in Schabs im Oktober 1918 statt.
Dazu findet man Folgendes in einem Bericht über die Kriegserlebnisse eines Landsturmmanns aus dem Gadertal, Josef Pezzei:

„… Am 14. Oktober 1918 müssen wir nach Schabs zum Zielschießen und Handgranatenwerfen. Da weder Gewehrmunition noch Handgranaten am Schießstand zu finden sind geht es bald zurück ins Quartier. Dort heißt es aus der Übung wird nichts. Exerzieren!
Am nächsten Tag noch immer keine Munition oder Handgranaten. Menage schlecht.
17.Oktober wir haben den ganzen Tag Stacheldraht am Schießplatz abgebaut und aufgerollt. Alles soll an die Front. Genau so Bretter und Pfosten. …….




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Nach Ende des Krieges wird Tirol zerrissen und das heutige süd-Tirol wird gegen seinen ausdrücklichen Willen vom Vaterland Österreich abgetrennt, obwohl die Tiroler Front bis zum letzten Kanonenschlag des Krieges gehalten hat.

In den 30er Jahren wird das Übungsgelände kurzzeitig von italienischen Soldaten benutzt.
In den Jahren 1944 und 1945 fand der Übungsplatz wieder Verwendung, als deutsche Soldaten in Brixen stationiert waren.

Heute erkennt man an manchen Stellen noch eindeutig die Reste von im Zickzack gegrabenen Schützengräben.


Quellenangaben:
Die K. u. K. Sturmtruppen 1916 – 1918 (Österreichische Militärgeschichte 1998 Folge 6)
Sturmtruppen, M. Christian Ortner
Le armi e gli equipaggiamenti dell’esercito Austro-Ungarico, Siro Offelli
Le truppe d’assalto Austro-Ungariche, Alessandro Massignani

Alle Bilder aus dem Archiv von Oswald Mederle

Text:
Oswald Mederle
Günther Obwegs, Bildungsreferent s-Tiroler Schützenbund







 


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